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Lassen
Sie mich mit den grundsätzlichen Fragen über das menschliche Leben
und Schicksal beginnen – Fragen, die bereits von den grossen, alten
indischen Philosophen gestellt und durch ihre Erkenntnisse beantwortet
wurden, die nicht einmal von den eindrucksvollen Leistungen der
modernen Wissenschaft und Technologie verdrängt worden sind. Es sind
die ewigen Fragen der Menschheit.
Die
weise, alte Lehre und Kultivierung der indischen Philosophie mag zwar
zeitlich, aber nicht gedanklich weit von uns entfernt liegen. Es gibt
keine faszinierendere Aufgabe für einen Schüler der indischen
Philosophie, als sich mit einer bestimmten Stufe der spirituellen oder
transzendentalen Weisheit auseinander zu setzen und sie zur Anwendung
auf unser eigenes Leben zu bringen.
Wenden
wir uns also, in den Worten Sokrates',
"den
Schätzen zu, die uns weise Männer hinterlassen haben..."
Die
Einsichten der indischen Philosophie, die in ihrem Wesen spirituell
ist, sollen uns einen vollständigen Einblick in die unsichtbare
Wirklichkeit geben und uns auf die direkteste, intimste und überzeugendste
Weise in die Geheimnisse der menschlichen Existenz einweisen.
Das
endlose Streben nach der Vision der Wahrheit ist stets die Aufgabe der
großen indischen Denker gewesen – ein Streben, das auch jetzt noch
unser Ideal ist.
In
diesem Zusammenhang möchte ich auf den britischen Mathematiker,
Logiker und Philosophen Alfred North Whitehead verweisen, der in
seinem Buch "Wissenschaft und die moderne Welt" zu uns von
dem
"Realen" spricht, "das hinter und nach und in dem vergänglichen
Fluss der Welt steht,
Etwas,
was real ist und doch darauf wartet, realisiert zu werden,
Etwas,
was eine ferne Möglichkeit ist und doch die grösste der gegenwärtigen
Tatsachen,
Etwas,
was allem Geschehen Bedeutung verleiht und sich doch einer Festlegung
entzieht;
Etwas,
dessen Besitz das höchste Gut bedeutet, und das doch nicht erreichbar
ist;
Etwas,
was das grösste Ideal und doch ein hoffnungsloses Streben ist."
In
der indischen Philosophie ist sowohl der metaphysische Wissensdurst
auf eine theoretische Erklärung der Welt als auch die
leidenschaftliche Sehnsucht nach Befreiung zu finden. Die Ideen der
Philosophen erleuchten nicht nur unseren Geist, sondern erweitern ihn
auch. Sie helfen uns dabei, uns über den Schein des rein materiellen
Daseins zu erheben.
Das
menschliche Leben enthält bereits den Hinweis zum Verständnis der
Natur. Die weisen indischen Denker zeigen uns den Weg des inneren
Aufstiegs, der inneren Reise, durch die der Einzelne das Ultimative
Ende und die Ultimative Realität begreift. Die Wahrheit liegt in uns.
Wir müssen sie erforschen.
Dem
Anschein nach ist der Mensch ein stoffliches Wesen. Er ist aus den gewöhnlichen
chemischen Elementen wie Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff,
Stickstoff, etc. gemacht, die es so reichlich auf dem Planeten Erde
gibt.
Die
biologische Beschaffenheit des Menschen verlangt bestimmte Dinge, die
er, wie alle anderen Tiere auch, erfüllt, um seine Bedürfnisse zu
stillen.
Nun
stellt sich uns jedoch die Frage:
"Was
sind unsere eigentlichen Bedürfnisse?" Wissen wir wirklich, was
wir brauchen? Wir brauchen so viele weltliche, materielle Dinge. Und
dann gibt es da noch unsere Ignoranz, unsere Engstirnigkeit und unser
Egoismus, die uns nur kurzfristig Befriedigung verschaffen. Aber sind
wir auch wirklich glücklich mit dieser materiellen Sättigung? Es ist
schliesslich eine unumstössliche Tatsache, dass dieser Lauf von
"Wollen und Haben" endlos weitergeht.
Indische
Denker weisen uns den Weg, der zu unserem wahren Bedürfnis führt –
und zwar zum Bedürfnis nach einer Wahrheit, die bedingungslos ist.
Die Wahrheit zu kennen, bedeutet aber nicht ein rein theoretisches
Wissen. Man begreift sie nur durch Selbstdisziplin und vollkommene
Einsicht.
Die
Frage stellt sich: Was ist diese Wahrheit? Was ist diese Realität,
die durch alle Veränderungen hinweg gleich bleibt und die man zu
erreichen sucht?
Man
kann sich auch noch Folgendes fragen:
Gibt
es eine innere Wahrheit – über die empirische Existenz der Welt und
des Menschen hinaus?
Ist
der Mensch dasselbe Wesen, das man von aussen sieht?
Oder
besitzt
er eine innere Realität, die über die empirische Existenz
hinausreicht?
Diese
Fragen können nicht empirisch beantwortet werden. Es sind
metaphysische / transzendentale Fragen, die das eigene Selbst
betreffen. Indische Denker haben sich diese Fragen sehr ernsthaft
gestellt und sehr eindringlich nach Antworten gesucht, was keine
andere Philosophie der Welt jemals getan hat. Darin besteht auch die
Einzigartigkeit der indischen Philosophie.
Die
transzendentale Erkenntnis der Wahrheit ist nicht nur spekulatives
Denken, sondern auch sehr pragmatisch und gleichzeitig praktisch
orientiert.
Ich
habe vorhin vom stofflichen Aspekt des menschlichen Lebens gesprochen.
Doch der Mensch hat über diesen Aspekt hinaus noch etwas anderes in
sich. Das beweist sich in seinem Streben nach der Erkenntnis von
Wahrheit. Er möchte in sich schauen und trachtet danach, seine
biologische Natur, die individuell ist, zu überschreiten, um die
innere Wahrheit zu finden.
Es
ist möglich, das in diesem Leben zu erreichen. Darum müssen wir in
uns suchen,
um
die Wahrheit zu finden,
die
Wahrheit, die absolut ist,
die
Wahrheit, die für alle Menschen und alle Dinge auf immer gültig ist,
die
Wahrheit, die Seligkeit, Schönheit und Glück bedeutet.
Es
ist nicht leicht, die innere Wahrheit zu entdecken, aber es ist auch
nicht unmöglich. Zuerst einmal müssen wir richtig denken, richtig
wahrnehmen, unser eigenes Leben bewerten und bestimmen, was für die
menschliche Existenz von wesentlicher Bedeutung ist.
Dafür müssen wir
unseren Geist und Verstand weit öffnen. Dann wird es uns möglich
sein, die bedingungslose Wahrheit zu erkennen.
Lasst
uns die Seligkeit, die Wahrheit und das Glück finden – und somit
auch unseren inneren Frieden?
Wir
alle tragen Vollkommenheit in uns. Wir müssen sie nur offenbaren, sie
enthüllen.
Wenn
man das helle Licht seines Geistes auf sein Denken richtet, wird man
zweifelsohne die richtige Antwort erkennen.
Darin
liegt die Bedeutung der indischen Philosophie, die den Weg zur
Wahrheit des Lebens weist – den Weg zur Befreiung des Geistes.
Nun
möchte ich mich der speziellen Frage zuwenden, worin die Bedeutung
der Yogaphilosophie für unser heutiges Leben liegt.
Wir
stehen am Anfang eines neues Jahrhunderts, das die Erfahrungen
wichtiger Entwicklungen in den Wissenschaften und der Technologie des
20. Jahrhunderts mit sich trägt. Wir führen ein Leben, das sehr
schnell und sehr einfach geworden und zur gleichen Zeit komplex ist,
voller Stress und Anspannungen.
Mit
dem fantastischen wissenschaftlichen Fortschritt mag die menschliche
Gesellschaft qualitativ besser leben. Die materiellen Errungenschaften
mögen unsere weltlichen Bedürfnisse erfüllen; aber es ist nicht zu
leugnen, dass die meisten Menschen nicht zu einer inneren Ruhe finden.
Das
moderne Zeitalter kann nur flüchtigen Zeitvertreib und oberflächliche
kulturelle Praktiken bieten, um unser äusseres Leben zu verzieren.
Doch die Suche nach Frieden, Beständigkeit, Glück und Befreiung des
Geistes ist das eigentliche Anliegen des Menschen. Daraus ergibt sich
ein Paradox: Wie sollen wir in unserem rein materiell ausgerichteten,
bequemen, jedoch hektischen und überspannten Alltag unseren ersehnten
inneren Frieden und unser Glück erreichen?
Es bleibt eine grosse Verwirrung zurück, und diese Fragen suchen uns
immer wieder heim,.......
Dort
setzt die Yogaphilosophie ein, die für Tausende von Jahren Atemübungen,
Meditation und Yogahaltungen empfohlen hat, um dieses Ziel zu
erreichen.
Jeder
kann diese Methode anwenden.
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